Kassel – Der Förderpreis der nordhessischen Bauwirtschaft wurde vor über drei Jahrzehnten – damals noch unter anderem Namen – erstmals verliehen und ist somit der am längsten bestehende Förderpreis für herausragende studentische Abschlussarbeiten an der Universität Kassel. Die Tradition wurde auch in diesem Jahr fortgesetzt. Die Verleihung der Preisurkunden und des Preisgeldes – gestiftet von der Arbeitsgemeinschaft Stufenausbildung (Bau) Kassel (ASK) – an zwei Studierende des Fachbereichs Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen fand jetzt in einer öffentlichen Feierstunde im Gießhaus der Universität statt. Jonas Umbach erhielt den Preis für seine im Studiengang Umweltingenieurwesen angefertigte Bachelorarbeit „Bilanzierung und Bewertung ausgewählter Minderungsmaßnahmen für die direkten Treibhausgasemissionen aus der Abwasserreinigung der Kläranlage Kassel“. Mareike Schaake wurde ausgezeichnet für ihre im Studiengang Bauingenieurwesen angefertigte Masterarbeit „Ermüdung von Saumblechanschlüssen im Brückenbau“. Beide erhielten ein Preisgeld in Höhe von jeweils 1.500 Euro.
Der Dekan des Fachbereiches, Professor Dr. David Laner, und Sven Liese, Geschäftsführer der ASK, begrüßten die Teilnehmer, darunter Vertreter aus Wirtschaft, Verbänden und der Universität. Den Festvortrag hielt Prof. Dipl.-Ing. Thomas Mrokon; er beschäftigte sich mit dem Thema „Disruption in der Bauwirtschaft – wie verändert KI das zukünftige Bauen“. Im Anschluss baten die beiden Vorstände der ASK, Thilko Gerke und Dr. Burkhard Siebert, die zwei Preisträger aufs Podium.
Jonas Umbach (24) befasst sich in seiner Bachelorarbeit mit den durch Kläranlagen verursachten Treibhausgasemissionen. Auf Grundlage realer Betriebsdaten erstellt er eine Klimabilanz für die Kläranlage Kassel. Hierbei zeigt sich, dass der größte Teil der klimaschädlichen Emissionen nicht durch den Stromverbrauch oder durch die eingesetzten Chemikalien entsteht, sondern direkt während der Abwasserreinigung selbst. Dies deutet auf ein vorhandenes Optimierungspotenzial bei der biologischen Stickstoffreinigung hin, insbesondere bei der Umwandlung und dem Abbau von Stickstoffverbindungen. Auf Basis seiner Ergebnisse entwickelt Jonas Umbach konkrete Vorschläge für Maßnahmen und deren Priorisierung.
Mareike Schaake (26) untersucht in ihrer Masterarbeit das Ermüdungsverhalten von Schweißnähten in Stahlbrücken. Die Ermüdung beschreibt den schrittweisen Versagensprozess von Schweißnähten durch wechselnde Beanspruchung, vor allem infolge des über die Brücke fließenden Lkw-Verkehrs. Die Ermüdung stellt daher eine der zentralen Herausforderungen bei der Bemessung und Konstruktion von Stahlbrücken dar, weil sie sowohl die Sicherheit als auch die Lebensdauer eines Bauwerks erheblich beeinflusst. Ziel der Arbeit von Mareike Schaake ist die verbesserte Prognose der Ermüdungssicherheit von geschweißten Saumblechanschlüssen. Hierfür entwickelt sie ein numerisches Rechenmodell. Die von Mareike Schaake erstellte Berechnungsmethode erlaubt eine zuverlässigere Prognose der Lebensdauer bei gleichzeitig reduziertem Materialeinsatz.
„Nach Urteil der Jury sind die Ergebnisse beider Preisträger sehr überzeugend und wertvoll“, so Thilko Gerke. Die Arbeiten verbänden in hervorragender Weise wissenschaftlichen Anspruch mit direktem Praxisbezug. Sie zeigen zudem beispielhaft, wie am Fachbereich Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen konkrete Beiträge zur Ressourcenschonung beim Bauen und damit auch zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen generiert werden.