Handwerk drängt auf praxistaugliche Parkregelung für Kassel
Ein halbes Jahr nach der Ausweitung der gebührenpflichtigen Parkzonen in Kassel drängen Handwerkskammer (HWK) und Kreishandwerkerschaft (KH) Kassel auf praxistaugliche Parkregelungen für das Handwerk. Die großflächige Gebührenpflicht hat die Parksituation für viele Betriebe erheblich verschärft. Betroffen sind vor allem Handwerksbetriebe, deren Mitarbeitende regelmäßig im Kundeneinsatz im Stadtgebiet unterwegs sind. Der Handwerkerparkausweis sei in seiner aktuellen Form nicht geeignet, die Situation zu erleichtern, so die Kritik der Handwerksorganisationen.
„Handwerksbetriebe müssen Werkzeuge und Material an ihren Einsatzort bringen und ihre Fahrzeuge während der Arbeit in erreichbarer Nähe abstellen können. Zugleich lassen sich nicht alle Einsätze langfristig planen: Dringende Reparaturen, zusätzliche Kundenaufträge oder Änderungen im Tagesablauf erfordern Flexibilität. Ein Handwerkerparkausweis, der seinen Namen verdient, muss hierfür ein praktikables Verfahren anbieten“, sagt HWK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Müller.
Seit der Digitalisierung des Handwerkerparkausweises im vergangenen Jahr sei der organisatorische Aufwand für die Betriebe erheblich, sagt KH-Geschäftsführer Marius Jung. Zudem ermögliche das Programm eine Buchung der Parktickets jeweils nur am Morgen. Das werde weder der Kurzfristigkeit der Einsätze im Handwerk noch der nötigen Flexibilität bei der Parkplatzsuche vor Ort gerecht. Die Kritik richte sich nicht gegen die Digitalisierung an sich, betonen Jung und Müller, sondern gegen die bisherige Umsetzung. Bereits im vergangenen Mai hatten Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft auf die Problematik aufmerksam gemacht und auf den dringenden Handlungsbedarf hingewiesen.
Beispiele aus anderen Regionen zeigten, dass es durchaus andere Lösungsansätze gibt, sagt HWK-Hauptgeschäftsführer Müller und verweist auf den „Regionalen Handwerkerparkausweis Frankfurt RheinMain“. Bei dessen Ausgestaltung wurden die dortige Handwerkskammer und IHK eingebunden. Dabei handelt es sich um eine Dauerausnahmegenehmigung zum Parken für ein Jahr, in die mehrere Betriebsfahrzeuge aufgenommen werden können. Ein solches Modell könne auch für Kassel als Orientierung dienen, um Parkberechtigungen für Handwerksbetriebe, aber beispielsweise auch Pflegedienste, einfacher und unbürokratischer zu gestalten, so Müller.
Dabei fordere man kein kostenfreies Parken für Betriebe, stellen Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft klar. „Wir brauchen ein Modell, das eine angemessene und wirtschaftlich vertretbare Kostenbeteiligung mit einer erheblichen Vereinfachung verbindet“, so Müller. „Maßstab muss dabei sein, dass die Parkberechtigung von den Betrieben schnell eingesetzt werden kann und auch in der weiteren Abwicklung mit einem geringen Verwaltungsaufwand einhergeht.“
Für die Entwicklung einer verbesserten Lösung sollten die Handwerksorganisationen und vor allem betroffene Betriebe frühzeitig einbezogen werden, um zu wirklich praxistauglichen Ergebnissen zu kommen, so Müller und Jung.